Ich habe mir vor einigen Wochen in Apeldoorn den neuen Aldi Nord in der Hollandversion angesehen.
Auf der Habenseite stehen ganz klar ansprechender Bodenbelag, freundlichere und bessere Beleuchtung, keine Regale mehr über den TK-Truhen und graue Regalschienen: Der Laden ist einfach angenehmer fürs Auge, als ein Aldi Nord es bisher war.
Nachdem ich gesehen hatte, dass der holländische Lidl massiv auf seine Backstation setzt und sie stark herausstellt, hatte ich eigentlich erwartet, dass auch Aldi darüber verfügt. Das ist aber zumindest bislang noch nicht der Fall.
Bei der neuen Sortimentsanordnung hat man viel in Richtung Aldi Süd verändert, zum Beispiel die Anordnung von Kosmetik (natürlich beleuchtet) an der hinteren Wand, O+G vor der Kasse und Mopro an der Seitenwand auf dem Weg zu Kasse.
Da, wo Aldi Nord im Vergleich zu Aldi Süd andere Wege in der Anordnung beschreitet, finde ich das zum Teil nicht so gut gelöst. Zum Beispiel die Platzierung von Frischfleisch: nicht wie bei Aldi Süd hinten im Zusammenhang mit TK, sondern allein gestellt vorn neben O+G als Insel im Mittelgang. Der Standort entspricht nicht ganz der Wichtigkeit des Sortimentsbausteins, denn er liegt etwas abseits des Hauptlaufweges, der von Mopro an O+G vorbei direkt auf die Kasse zuläuft.
Ganz vorn in der Filiale zwischen Eingang und Mitte ergibt sich eine Fläche, die es mit der Frequenz schwer haben dürfte. Dort sind die Food-Aktionswaren verortet und auch die neue Vitrine mit den hochwertigen Technikartikeln, die im absoluten Abseits direkt am Filialende steht, wo Aldi Nord in Deutschland oft das Toilettenpapier und Aldi Süd zumeist Tierfutter hinstellt – also Dinge, die man gezielt kauft. Aldi Holland scheint hier sehr darauf zu setzen, dass Kunden diese Artikel aufgrund der Werbung suchen, vergibt aber dabei die Chance, den Kunden zu spontanen Zusatzkäufen zu verleiten. Denn der Besucher kommt an der Ware nicht automatisch vorbei, sondern muss sich gezielt dazu entscheiden, den Bereich anzuschauen. Die Technik-Vitrine steht in Deutschland (bei Aldi Süd und Nord) ja nicht grundlos mitten auf der Fläche, wo fast kein Kunde umhinkommt, sie wahrzunehmen.
Die Innenstadtfiliale in Apeldoorn bietet Aldi nicht gerade eine Traumfläche. Was da an Pfeilern mitten in den Laufwegen steht, geht eigentlich gar nicht. Trotzdem scheint die Sortimentsanordnung die aktuelle Wahl zu sein, denn an Platz mangelt es trotz der Pfeiler nicht.
Absolutes Highlight war für mich dann ein ganz einfaches Detail, das gar nichts mit dem neuen Konzept zu tun hat, das aber so typisch Discount und vor allem so typisch Aldi Nord ist, dass man davor nur den Hut ziehen kann. Es zeigt sich in der O+G-Abteilung. In Deutschland hat Aldi Süd ja seine eigenen Kunststoff-Kisten, die sehr gut aussehen, Aldi Nord hat seit einiger Zeit Kartons, die mit wenigen verschiedenen Obst- oder Gemüse-Motiven bedruckt sind. Sie vereinheitlichen das Erscheinungsbild, das vorher als reiner Wildwuchs unterschiedlichster Kartons sehr zusammengewürfelt aussah.
Der Holland-Aldi hat nun einheitliche Kartons, die aussehen, als seien sie aus ganz dunklem Holz. Selbst der Riesenkarton für Kartoffeln auf Palette sieht nicht mehr aus wie ein Riesenkarton, sondern wie ein Holzverschlag. Da wird ein einfacher Karton zu einem Element des Ladenbaus, das durch seine Optik die Wertigkeit der ganzen Abteilung hebt, obwohl es nur aus Pappe ist. Aufwand: fast keiner. Kostenpunkt: null komma nix. Wirkung: enorm. Typisch Aldi Nord.
