10. Februar 2012 um 14:00 Uhr

Schweiz Aldi

Von Lattmann

Guten Morgen!

Bin gerade von der Schweizer Grenze zurück.

Aldi spricht dort derzeit sehr intensiv die Schweizer an, die ja schon immer gern gesehene Kunden in deutschen Aldis waren. Jetzt kommt noch der hohe Franken dazu, der die Schweizer nach Deutschland kommen lässt und Aldi hat noch einen weiteren Trumpf in der Hand, denn irgendwann im letzten Jahr ist die Gebühr von 25% auf die Mehrwertsteuerersattungen weggefallen, die Aldis Dienstleister Global Blue bis dahin einbehalten hat, so dass die Aldi-Mehrwertsteuererstattung an Kunden mit Hauptwohnsitz in der Schweiz nun in voller Höhe erfolgt.

Nur ist Aldi Süd offensichtlich von der Angst getrieben, irgendein Schweizer könnte das mit der geänderten Rückerstattungshöhe immer noch nicht mitbekommen haben und womöglich doch tatsächlich woanders – evtl sogar im Lidl? – einkaufen. Daher hat man sich Aufklärung auf die Fahnen geschrieben und rührt kräftig die Werbetrommel.

In Lörrach sah ich zum Beispiel in der Stadt für Aldi Süd eigentlich untypische Plakatwände, die für die Aldi Süd Tax Free Karte werben.

Zu sehr ungewöhnlichen Maßnahmen greift Aldi jedoch in Laufenburg. Da hat man gleich einen kompletten Sattelzug mit einem Transparent bespannt. Der steht jetzt dauerhaft mitten auf dem Parkplatz, den sich Aldi Süd unter anderem mit dm teilt und versperrt dort gleich 7 Plätze wertvollen Parkraums. Dafür ist er aber extrem gut von der Straße aus sichtbar und erreicht so vielleicht den allerallerletzten unwissenden Schweizer, der das mit der 100%igen Mehrwertsteuererstattung noch nicht vernommen hat und lässt ihn in wirklich allerletzter Sekunde doch nicht auf den Lidl-Parkplatz gegenüber, sondern auf den Aldi Parkplatz abbiegen…

5. Februar 2012 um 09:30 Uhr

Eier oder Eiweiß?

Von Lattmann

Diese Frage stand offenbar bei der Produktplatzierung des Edeka-Marktes an der Schweinfurter Straße im unterfränkischen Gochsheim im Vordergrund.

Direkt nach der obligatorischen Obst- und Gemüsetheke im Eingangsbereich findet der Verbraucher dort nämlich zunächst ein bäuerlich anmutendes Holzdisplay, wo der hiesige Anbieter Geflügelhof Carl unter dem Label „Carls Eier“ ein großes Sortiment an regional produzierten Eiern mit dem Slogan „natürlich aus Franken“ anbietet.

Doch scheinbar traut man im ländlichen Gochsheim den lokalen Produktionsmethoden – immerhin werden „Carls Eier“ laut Internet „natürlich ohne Gentechnik“ produziert – nur bis zum nächsten Hühnerhof über den Weg. Denn unmittelbar gegenüber des Holzaufbaus befindet sich eine Pyramide mit ebenso hochwertigen wie hochdosierten Protein-Produkten der Marke „Power System“. Eine ganze Batterie verschiedenster Protein-Shakes, Protein-Bars oder Protein-Drinks des Hamburger Herstellers Well Plus Trade wird dort angeboten. Die vor allem von Fitness-Freaks konsumierten Produkte sind laut dem Unternehmen als „Sportnahrungsprodukte sowohl für den Freizeit- als auch den Leistungssportler“ gedacht und „wurden ernährungsspezifisch an die Bedürfnisse der Verwender angepasst“.

Nun bin ich der Letzte, der sich ein Urteil über den Bedarf und die Bedürfnisse in einer unterfränkischen Gemeinde wie Gochsheim mit seinen knapp 6000 Einwohnern zu bilden vermag. Doch würde ich schätzen, die dortige Käuferklientel ist eher der menschlichen Landwirtschaft als dem menschlichen Leistungsvermögen zugetan – und freut sich entsprechend an einem Sonntag morgen mehr über ein traditionelles Frühstücksei vom Huhn als über einen undefinierbaren Eiweiß-Mix aus der Dose.

Möglicherweise wollte Edeka-Inhaber Christos Didis jedoch seiner Kundschaft auch nur eine garantiert dioxin- und schadstofffreie Eiweißvariante als Alternative zur Verfügung stellen. Bei all den Skandalen heutzutage weiß man ja schließlich nie, was drin ist…

2. Februar 2012 um 16:00 Uhr

Penny als Prozentjongleur

Von Lattmann

Früher gab es ja dem Aldi-Modell folgend in aller Regel Dauerpreise an den Discounter-Regalen. Das hat sich in den vergangenen Jahren ziemlich geändert. Preisabschläge nach dem Motto “Um 30 Prozent billiger” oder “um 40 Prozent im Preis gesenkt” gehören heute für viele im Handel zum eingeübten Preismarketing. Der Preisnachlass wird so von vielen Konsumenten als solcher besser wahrgenommen als Cent-Abschläge.

Doch der Prozentabschlag konterkariert sich selbst, wenn – wie jüngst bei Penny gesehen -  Minimal-Abschläge groß herausgestellt werden. Die Milka Geschenkherzen werden also tatsächlich um „1 Prozent billiger“ angeboten. Wow!! Die automatisierte Preisauszeichnung fördert so manche Kuriosität zu Tage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

31. Januar 2012 um 13:47 Uhr

Typisch Aldi Nord

Von Lattmann

Ich habe mir vor einigen Wochen in Apeldoorn den neuen Aldi Nord in der Hollandversion angesehen.

Auf der Habenseite stehen ganz klar ansprechender Bodenbelag, freundlichere und bessere Beleuchtung, keine Regale mehr über den TK-Truhen und graue Regalschienen: Der Laden ist einfach angenehmer fürs Auge, als ein Aldi Nord es bisher war.

Nachdem ich gesehen hatte, dass der holländische Lidl massiv auf seine Backstation setzt und sie stark herausstellt, hatte ich eigentlich erwartet, dass auch Aldi darüber verfügt. Das ist aber zumindest bislang noch nicht der Fall.

Bei der neuen Sortimentsanordnung hat man viel in Richtung Aldi Süd verändert, zum Beispiel die Anordnung von Kosmetik (natürlich beleuchtet) an der hinteren Wand, O+G vor der Kasse und Mopro an der Seitenwand auf dem Weg zu Kasse.

Da, wo Aldi Nord im Vergleich zu Aldi Süd andere Wege in der Anordnung beschreitet, finde ich das zum Teil nicht so gut gelöst. Zum Beispiel die Platzierung von Frischfleisch: nicht wie bei Aldi Süd hinten im Zusammenhang mit TK, sondern allein gestellt vorn neben O+G als Insel im Mittelgang. Der Standort entspricht nicht ganz der Wichtigkeit des Sortimentsbausteins, denn er liegt etwas abseits des Hauptlaufweges, der von Mopro an O+G vorbei direkt auf die Kasse zuläuft.

Ganz vorn in der Filiale zwischen Eingang und Mitte ergibt sich eine Fläche, die es mit der Frequenz schwer haben dürfte. Dort sind die Food-Aktionswaren verortet und auch die neue Vitrine mit den hochwertigen Technikartikeln, die im absoluten Abseits direkt am Filialende steht, wo Aldi Nord in Deutschland oft das Toilettenpapier und Aldi Süd zumeist Tierfutter hinstellt – also Dinge, die man gezielt kauft. Aldi Holland scheint hier sehr darauf zu setzen, dass Kunden diese Artikel aufgrund der Werbung suchen, vergibt aber dabei die Chance, den Kunden zu spontanen Zusatzkäufen zu verleiten. Denn der Besucher kommt an der Ware nicht automatisch vorbei, sondern muss sich gezielt dazu entscheiden, den Bereich anzuschauen. Die Technik-Vitrine steht in Deutschland (bei Aldi Süd und Nord) ja nicht grundlos mitten auf der Fläche, wo fast kein Kunde umhinkommt, sie wahrzunehmen.

Die Innenstadtfiliale in Apeldoorn bietet Aldi nicht gerade eine Traumfläche. Was da an Pfeilern mitten in den Laufwegen steht, geht eigentlich gar nicht. Trotzdem scheint die Sortimentsanordnung die aktuelle Wahl zu sein, denn an Platz mangelt es trotz der Pfeiler nicht.

Absolutes Highlight war für mich dann ein ganz einfaches Detail, das gar nichts mit dem neuen Konzept zu tun hat, das aber so typisch Discount und vor allem so typisch Aldi Nord ist, dass man davor nur den Hut ziehen kann. Es zeigt sich in der O+G-Abteilung. In Deutschland hat Aldi Süd ja seine eigenen Kunststoff-Kisten, die sehr gut aussehen, Aldi Nord hat seit einiger Zeit Kartons, die mit wenigen verschiedenen Obst- oder Gemüse-Motiven bedruckt sind. Sie vereinheitlichen das Erscheinungsbild, das vorher als reiner Wildwuchs unterschiedlichster Kartons sehr zusammengewürfelt aussah.

Der Holland-Aldi hat nun einheitliche Kartons, die aussehen, als seien sie aus ganz dunklem Holz. Selbst der Riesenkarton für Kartoffeln auf Palette sieht nicht mehr aus wie ein Riesenkarton, sondern wie ein Holzverschlag. Da wird ein einfacher Karton zu einem Element des Ladenbaus, das durch seine Optik die Wertigkeit der ganzen Abteilung hebt, obwohl es nur aus Pappe ist. Aufwand: fast keiner. Kostenpunkt: null komma nix. Wirkung: enorm. Typisch Aldi Nord.

 

 

27. Januar 2012 um 09:30 Uhr

Für alle, die rechnen können

Von Lattmann

Der zum Reich des schweizerischen Handelsriesen Migros gehörende Discounter Denner möchte die Einkaufsstätte für alle sein. Der Slogan „Einer für alle“ findet rasche Verbreitung, auch die aktuellen TV-Spots zielen auf die unterschiedlichen Kundengruppen ab: Von der treusorgenden Mutter über die Singlefrau bis hin zum Weinliebhaber reicht das Spektrum. Alle brauchen eigentlich nur zu Denner, um gut und günstig einzukaufen.

Wir kennen diese Kombination aus Deutschland.  Besonders gewagt wird es stets, wenn die eigene Werbung die Konkurrenz ein wenig auf die Schippe zu nehmen versucht. Denner – wie auf unserem Foto zu sehen – hat es gemacht und die Anspielung auf den deutschen Wettbewerber Aldi auch gleich noch in der Kundeneinfahrt des Konkurrenten platziert. Man wird sehen, ob Denner damit mehr Kunden zum Wechsel bewegen kann oder ungewollt Werbung für Aldi macht.

Der harte Preiskampf ist an Migros nicht spurlos vorübergegangen. Migros feiert es aber als Erfolg, dass Denner seinen Umsatz im Vorjahr trotz „Negativteuerung“ von minus 1,7 Prozent auf Vorjahresniveau einstellen konnte: „2011 konnte Denner sein letztjähriges gutes Resultat halten und seine Position als Discounter weiter stärken. Der Umsatz bleibt im Vergleich zum Vorjahr mit 2,784 Millionen Schweizer Franken unverändert hoch.“

17. Januar 2012 um 10:46 Uhr

Nostalgie bei Netto

Von Lattmann

Ein bisschen vermisse ich es schon, das wunderbare Orange-Blau der guten alten Plus-Filialen. Doch inzwischen ist die Farbgebung aus den meisten Netto-Filialen verschwunden. Daher übermannte mich beim Anblick dieses kleinen Preises die Nostalgie. Das Gefühl wurde dadurch noch schöner, dass die 1,29 passend zur Winterzeit mit Mütze, Schal und Handschuhen bekleidet war.

Bei aller Freude über den Anblick bleibt allerdings die Frage, warum Netto so freundlich ist, Werbemotive zu verkaufen, die bestenfalls dem Online-Shop plus.de auf die Sprünge helfen können. Vielleicht wurden einfach kurz vor der Übernahme noch ein paar Millionen Isoliertüten bestellt, die sich jetzt in einem Hochregallager palettenweise bis zur Decke stapeln.

 Aus Umweltgesichtspunkten ist es ja sogar sinnvoll, die Tüten abzuverkaufen, anstatt sie in den Müllcontainer zu stopfen. Vielleicht sollte Netto diesen nachhaltigen Gedanken seinen Kunden aber etwas gezielter nahebringen. „Das grüne Plus“ wäre doch eine schöne Überschrift.

17. Januar 2012 um 10:33 Uhr

On the Road again

Von Lattmann

Wer so viel unterwegs ist wie Lattmann, muss sein Vehikel von Zeit zu Zeit einer Inspektion unterziehen. In den vergangenen Wochen war das LZ-Blog “Lattmann unterwegs” offline, um auf einen neuen Server umzuziehen und um die Technik unter der Haube zu warten. Das hat über den Jahreswechsel ein wenig länger gedauert als erwartet, nun ist das Blog aber wieder am Start. Oder vielmehr: Lattmann ist “on the Road again”.

25. November 2011 um 09:00 Uhr

Partielle Amnesie

Von Lattmann

Bis vor einigen Wochen hielt ich das ewige Lamento über Jugendliche, die den Unterschied zwischen Tomaten und Äpfeln nicht kennen und Fanta Orange für einen Fruchtsaft halten, für maßlos übertrieben. So schlimm, dachte ich mir, wird es schon nicht sein mit den Deutungsschwierigkeiten des Nachwuchses, wenn es um Lebensmittel geht. Man muss ja nicht gleich das Sortiment eines SB-Warenhauses auswendig kennen und wissen, was man mit jedem Artikel in der Küche anfängt! Wie gesagt, dieser Überzeugung war ich bis vor wenigen Wochen.

Verloren habe ich meinen Glauben dann ausgerechnet im Handel – genauer gesagt bei meinem Penny-Markt gegenüber. Dort saß kürzlich ein junger Mann an der Kasse, als ich mich mit einem Last-Minute-Einkauf kurz vor Ladenschluss in der Schlange einreihte. Gleichmütig zog der junge Herr schließlich meine Ware über den Scanner, bis er zu einem für ihn offenbar fremdartigen Objekt gelangte. Das komische weiß-grüne Ding, so viel ahnte er offenbar, stammte aus der Obst- und Gemüseabteilung. Ratlos schaute er mich an und überwand sich schließlich dazu, bei mir weitere Erkundigungen einzuziehen. „Was ist das denn?“, fragte er mich, woraufhin ich ihm offenbarte, dass Penny in dieser Woche auch Fenchel im Sortiment habe. Er quittierte das mit einem lapidaren „Aha“, als sei es schon merkwürdig, was der Discounter so alles verkauft.

Dass es mit der Detailkenntnis des Sortiments zumindest in meinem Penny-Markt offenbar nicht weit her ist, konnte ich einige Tage später noch einmal feststellen – da ging es allerdings nicht um „exotisches“ Gemüse, sondern um Drogeriewaren. „Haben Sie Zahnbürsten“, wollte ich da von einem der Mitarbeiter im roten Penny-Pulli wissen, der gerade vorbeieilte.  „Kann schon sein“, sagte der, zuckte mit den Achseln und zog von dannen, bevor ich ihm nähere Angaben entlocken konnte.

Ein Auftritt, der irgendwie etwas Beruhigendes hatte. Vielleicht ist die Jugend gar nicht so ahnungslos, sondern es handelt es sich um eine partielle Amnesie, die nur Penny-Mitarbeiter plagt?

11. November 2011 um 14:32 Uhr

Ziemlich “unverfrohren”

Von Lattmann

Den Thron kann man besteigen. Auch den Mount Everest oder das Pferd. Dass man auch das Klo besteigen kann, war mir neu. Bis ich die Rewe-Filiale im Frankfurter Konsumtempel „My Zeil“ betrat. Ein Aktionsschild an der Kühltheke klärte mich auf: „Frischer Klosteig“ stand darauf. Nicht einmal ein Euro sollte das zweifelhafte Vergnügen kosten.

Der Blick ins Innere der Theke enttäuschte: Ein ordinäres Teig-Gemisch zur Kloß-Herstellung (halb & halb) entsprach nicht ganz meinen Erwartungen.

Während Rewe also eher mit Buchstaben geizt, ist der Discounter Aldi Süd buchstabenmäßig spendabler. Hier gibt es ab dem 3. November Pilze der Eigenmarke „Gartenkrone“. Anders als der „Klosteig“ sind diese nicht frisch, sondern „tiefgefrohren“. Na logo: das Ohr – gefrohren – tiefgefrohren. Nicht nur, dass so manche Pilzsorte dem menschlichen Lauscher zum Verwechseln ähnlich sieht. Auch bildet der Ausspruch „ein Satz heiße Ohren“ gewissermaßen das Temperatur-Antonym zu den eisgekühlten Fungi. Alles klar. Klar wie Klospülung, ich meine Kloßbrühe.

31. Oktober 2011 um 11:50 Uhr

“20 Prozent auf alles” lebt noch

Von Lattmann

Eigentlich hätte man ja gedacht, dass Praktiker von den 20-Prozent-auf-alles-Aktionen endgültig die Nase voll hat. Dem ist aber nicht so. Zumindest nicht bei der Drittmarke “Extra Bau + Hobby”, wo das vergangene Woche in allen 17 Regiemärkten vier Tage lang lief  (Praktiker Vierte Baumärkte GmbH).

Die Aktion gilt ab 20 Euro Einkaufswert und umfasst auch Bestellungen und Markenartikel. Ausgenommen sind wie üblich Zigartetten, Zeitschriften, Bücher, preisgebundene Artikel und Gas.