23. Juli 2010 um 08:06 Uhr

Goldbären in der Arktis

Von Lattmann

Irgendwie kann man sich eine Haribo-Werbung ohne Thomas Gottschalk gar nicht mehr vorstellen. Doch beim aktuellen Goldbären-Spot möchte man den Entertainer am liebsten zu Nachhilfe in Erdkunde verdonnern.

Wie kommt’s?

Nun, der Thomas erklärt, dass es ja 6 Goldbären-Geschmacksrichtungen wie auch 6 Kontinente gibt. Die heißen zum Beispiel “Apfelropa”, “Erdbeerasien” oder “Zitromerika”. Dazu werden auf einem Globus die jeweiligen aus Gummibären bestehenden Kontinente gezeigt. Zum Schluss kommt bei ihm “Himbeerarktis” an die Reihe und Herr Gottschalk frickelt dazu am Nordpol unseres blauen Planeten herum und pickt sich einen Goldbären vom Globus. Gut, der Mann kann die Arktis finden, das ist immerhin etwas. Aber: Wie wir alle spätestens in der 3. Klasse gelernt haben, ist die Arktis gar kein Kontinent, sondern ein gefrorenes Meer, das von verschiedenen Landmassen umgeben ist, die da sind: Apfelropa, Zitromerika und Erdbeeasien.

Ein Kontinent ist hingegen die Bananantarktis, die sich bekanntermaßen eher im Süden unseres Planeten aufhält, leider aber keine Geschmacksrichtung eines Goldbären darstellt.

Ich werde leider nicht darum herum kommen, Herrn Gottschalk der Pisa-Polizei zu melden…

22. Juli 2010 um 14:53 Uhr

Rewe vereitelt Beutezug

Von Lattmann

Dass Rewe jeden Tag ein bisschen besser werden will, das ist ja hinlänglich bekannt. Aber ist sie wirklich so gut, wie sie es verspricht? Im Rewe-Prospekt heißt es verlockend: “Nimm mehr! Zahl weniger!”

Drei 0,75l-Flaschen Pomp Secco für nur 5,99 Euro, 1 Liter für 2,66 –  Was für ein Spottpreis für dieses herrliche Gesöff aus der Landkellerei Höhl, bei dem der Apfelwein statt mit schnödem Wasser mit Riesling-Sekt “gespritzt” ist. Der Artikel gehört gewöhnlich nicht auf meinen Einkaufszettel. Doch auch ich bin nur ein Mensch. Bei diesem Angebot wird mein Beuteinstinkt geweckt. Da muss man einfach zuschlagen.

Aber ich schaue nochmal genauer hin. Denn Rewe lobt an gleicher Stelle nur einen Preisvorteil von 14 Prozent aus. Da passt doch etwas nicht zusammen, denke ich bei mir. Kostet Pomp Secco denn nun etwa doch nur einfach 1 Euro pro Flasche weniger, wenn ich gleich drei kaufe? Doch der ausgewiesene Literpreis von 2,66 Euro deutet auf eine andere Rechnung hin und verspricht eben den absoluten Clou.

Siegessicher schnappe ich mir im Rewe-Markt Walluf  im Rheingau gleich sechs Pomp-Flaschen. Den Preis habe ich schon im Kopf: Müsste 11,98 Euro kosten -  zweimal 5,99 für je drei Flaschen).

Doch Pustekuchen! Auf dem Kassendisplay leuchten 35,94 Euro auf.

Ich zücke meinen Rewe-Prospekt und tippe auf das Aktionsversprechen. Da stehe doch etwas von einem Literpreis von 2,66 Euro. Während die irritierte Kassiererin ihre Kollegen konsultiert, sammelt sich hinter mir eine Schlange ungeduldiger Kunden.

Am Ende muss ich eine Niederlage einstecken, denn der Filialleiter zieht den Knock-out-Joker: “Für Druckfehler übernehmen wir keine Haftung”, das stehe so schließlich auch im Prospekt. Na sowas!

Okay, sage ich, dann kaufe ich nur eine Flasche. “Die kostet dann aber 6,99″, fordert die Rewe-Mitarbeiterin. Als sie meinen irritierten Gesichtsausdruck sieht, kapituliert sie doch noch. Ich verlasse den Laden mit einer Flasche Apfelwein-Sekt-Gemisch für 5,99 Euro.  Sechs Flaschen für 11,98 Euro hätten es eigentlich sein sollen. Aus dem Beutezug ist dank Rewe Zahlen-Wirrwarr nichts geworden.

rewe-3x-pomp

16. Juli 2010 um 12:21 Uhr

“ICE-Problematik” im LEH?

Von Lattmann

Der Süßwaren-Hersteller Ferrero weiß sehr wohl, warum er eine Sommerpause für besonders empfindliche Produkte einlegt. Das ist nicht nur Marketing, wie gerne unterstellt wird.

In diesen Tagen klagt der eine oder andere Kaufmann über Schokoladen-unfreundliche Temperaturen in seinen Verkaufsräumen. Sogar in den kürzlich von Tegut übernommenen, teilweise recht neuen Märkten von Kaiser’s-Tengelmann, wirkten die Milka-Tafeln auf mich mitunter wachsweich.

Björn Harste, als Sparhändler vielen in der Republik als Shopblogger bekannt, spricht von problematischen Zuständen. In unverblümter Offenheit wird sogar auf seinem Blog eine völlig aus der Form geratene Ritter Sport porträtiert. Der Händler, der in einem in die Jahre gekommenen Flachdachmarkt keine Klima-Anlage hat, diese jetzt aber einbauen lässt, behilft sich derweil mit einem gerade installierten Propeller-Ventilator an der Decke.

Das Thema bewegt auf alle Fälle viele Kunden, siehe dazu auch den Link am Ende meiner Ausführungen.

Das Dilemma ist mir aus meiner Zeit im Einzelhandel  vertraut. Fast jeden Sommer gab es mindestens einen Tag, an dem die Klimaanlage den Temperaturen nicht gewachsen war. Nennen wir das einmal aus aktuellem Anlass  ICE-Problematik, die Bahn kann ein Lied davon singen (seltsam eigentlich, wo doch “ICE” im englischen Wortsinn doch eher gemäßigte bis unterkühlte Umgebungstemperaturen erwarten lässt, oder?).

Trotz dieser Brutalo-Temperaturen steht der deutsche LEH  nach meinen aktuellen Beobachtungen jedoch keineswegs knöchelhoch in Flüssig-Schokolade. In den vergangenen Tagen ist mir sogar eher Gegenteiliges aufgefallen: Der Einzelhandel und hier  in vorderster Front die Discounter, sind ein Quell der Erfrischung. Nicht mit tollen Angeboten lockt man mich derzeit in die Läden, es sind vielmehr die Temperaturen. Wenn man aus einem halbwegs klimatisierten Auto über einen glühenden Parkplatz im prallen Sonnenschein bei 40 Grad beispielsweise einen wundervoll klimatisierten Aldi Süd, Lidl oder Penny betritt, mag man diesen Ort gar nicht mehr verlassen.

Wie sich das wohl auf den Umsatz auswirkt, wenn die Kunden nun nicht nur Getränke in Massen kaufen, sondern dazu noch wegen den angenehmen Temperaturen Muße haben, jeden Gang ausgiebig zu würdigen?

Schokoladenprodukte sollte man natürlich am besten gleich hinter der Kasse verzehren, den Weg zum Kofferraum überleben sie nicht unbeschadet.

Mein Fazit: Wenn die Bahn wissen möchte, wie gute Klimatechnik funktioniert, sollte sie sich vom Einzelhandel beraten lassen…

Leergeräumtes Regal unter: http://www.bild.de/BILD/news/leserreporter/aktuell/nachrichten/2010/07/14/1414-tag-schokolade-schmilzt/im-deutschen-handel.html

Hier noch ein Link zum Thema: www.shopblogger.de/blog/archives/10510-Hochsommerliche-Temperaturen….html


16. Juli 2010 um 11:14 Uhr

Umsatzverhinderungs-Hotline

Von Lattmann

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” Toll!”, hab ich gedacht, als ich neulich den aktuellen Globus-Handzettel aus dem Briefkasten nahm: Ölwechsel, Bremsflüssigkeit, neue Reifen zu Top-Preisen. “Da bringe ich das Auto vor der Fahrt in den Urlaub noch mal richtig auf Vordermann.”

Anruf im Globus-Markt: “Ich möchte gern einen Termin im Globus-Reifencenter machen.”

“Ich verbinde… ” Tut…tut…tut…tut…tut… – nach einer Ewigkeit bricht die Verbindung ab.

Es folgen zwei weitere, identische Versuche.

Vierter Versuch: “Guten Tag. Im Reifencenter….” Weiter komme ich nicht.

“Einen Moment bitte, ich verbinde.”   Tut…tut…tut…tut…tut… – nach einer Ewigkeit bricht die Verbindung erneut ab.

Und noch einmal: “Hallo. Bitte verbinden Sie mich nicht weiter!!! Ich habe eine Frage, die Sie sicher auch beantworten können: Muss ich im Reifencenter zum Ölwechsel einen Termin vereinbaren oder kann ich einfach vorbeikommen?”

Antwort: “Sie müssen natürlich einen Termin vereinbaren. Ich verbin…”

“Nein!!!! Bitte nicht verbinden!!! Vielleicht können Sie mir noch verraten, wie ich einen Termin ausmachen soll, wenn dort keiner ans Telefon geht?”

“Oh, das tut mir leid. Warten Sie. Ich versuche es mal direkt…” Tut … tut. “Globus Reifencenter, was kann ich für Sie tun?”

Ich habe dann zwar meinen Termin bekommen. Aber die Frage lässt mich nicht los, wohin die Zentrale mich eigentlich die ersten Male verbunden hat.

Vielleicht gibt es eine Umsatzverhinderungs-Hotline bei Globus?
15. Juli 2010 um 16:40 Uhr

Elch im Supermarkt

Von Lattmann

Hierzulande stöhnen die Menschen ja gerade unter den Hitzegraden. Anderswo lauern noch ganz andere Gefahren. In Kongsvinger, Norwegen, sorgte ein Elch in einem Supermarkt für einige Verwirrung. Motto: Rette sich, wer kann.

14. Juli 2010 um 08:25 Uhr

Verbundwerbung ohne Verbundwirkung

Von Lattmann

Was ist es doch schön, dass es nicht nur Filialisten für alles Mögliche gibt. Für Lebensmittel, für Möbel oder für Elektronik. Als klitzekleiner Metro-Aktionär zieht es mich bei bestimmten Artikeln regelmäßig zum Media-Markt. Hin und wieder rät mir  der kleine Vielfaltsbewahrer in meinem Ohr jedoch, mich auch anderweitig umzusehen. Am Wochenende war’s mal wieder soweit. Endlich wollte ich mir ein kleines Notebook zulegen, damit ich auch unterwegs nicht von der Kommunikation abgeschnitten bin.

Aber von vorne: Im Internet hatte ich mir mein Wunschmodell ausgesucht. Bei Media-Markt war es laut neuem Internet-Auftritt zumindest im rückwärtigen Raum irgendwo vorhanden, aber leider nach meinem Geschmack etwas zu teuer. Über die Telefon-Hotline wollte ich versuchen, den Preis zu verhandeln, aber ich kam nicht weit. Obwohl ich das Laptop auf der Media-Homepage leibhaftig vor mir ausgebreitet sah, erklärte mir die Stimme der Hotline, dieses Produkt gebe es nicht bei Media-Markt.

Auch gut, dachte ich bei mir. Jetzt höre ich mit noch besserem Gewissen auf den kleinen Mann in meinem Ohr. Er hauchte: Geh’ doch zu ElectronicPartner (EP). Okay, warum nicht! Glückliche Fügung: Im Internet war der aktuelle Flyer abgebildet. Beim Durchblättern erkannte ich sogar mein von mir favorisiertes Laptop als Aktionsangebot. Herrlich, so dachte ich bei mir. Dann ruf’ ich mal einige EP-Händler im Rhein-Main-Gebiet an, ob das schöne, schlanke Stück wirklich vorrätig ist.

Nach dem vierten Anruf bei einem EP-Händler war nicht nur der kleine Mann in meinem Ohr ganz geknickt. “Nicht da”, nicht “vorrätig”, das ist “ein Auslaufmodell, das führen wir nicht mehr”. Interessant, dachte ich bei mir, und warum wird es dann beworben?  Beim nächsten Anruf bohrte ich dann etwas tiefer und siehe da, es offenbarte sich ein altes Dilemma. Was die Zentrale einer Verbundgruppe als nationalen oder regionalen Top-Artikel in Absprache mit einem Lieferanten auswählt, muss bei den selbstständigen Kaufleuten – offensichtlich ohne jeglichen Bezugszwang – überhaupt keine Jubelstürme auslösen.

Der EP-Händler sagte mir, das Produkt ordere er nicht, weil es kein Laufwerk für DVD/CD hat, das verkaufe sich nicht so gut. Er könnte es aber bestellen. “Nein, danke, lassen Sie mal, so entgegnete ich enttäuscht. “Das kann ich auch von Zuhause aus. Und, dort kriege ich das Teil noch mal 50 Euro günstiger.”

Schade eigentlich. Aber manchmal macht es einem der stationäre Handel wirklich nicht leicht. Egal, ob Filialist oder Verbundhändler.

13. Juli 2010 um 16:01 Uhr

Späte Bananen oder gebrauchte Lätta

Von Lattmann

In diesen Tagen ist ja unentwegt etwas über Amazon und sein neues Online- Lebensmittel-Angebot im Radio zu hören, im Fernsehen zu sehen oder in der Zeitung zu lesen. Sie wissen ja, dass ich schon vor einigen Tagen einen Probe-Einkauf zusammengestellt habe, die Bestellung aber mit Blick auf die hohen Logistikkosten unterlassen habe (Scrollen Sie ein bisschen runter und Sie finden den Beitrag).

Mein Kollege Jörg Rode hingegen hat für das Journal der LZ, siehe Print-Ausgabe Nummer 27, seine Bestellung wirklich abgeschickt. Vor wenigen Minuten hat er in der LZ-Konferenz am Dienstag darüber informiert, dass nun auch die letzte Lieferung eingegangen sei – also rund 10 Tage nach Orderausgang. Sie stammte von Froodies, die in diesen Tagen offensichtlich an ihre Auslieferungskapazitäten stoßen. Über diesen Online-Lieferdienst von Edeka-Kaufmann Christian Pelzer und dem Mitgründer Lutz Preußners hatte mein Kollege Martin Mehringer in der LZ 19 (Journal) ebenfalls ausführlich berichtet. Immerhin, der bestellte Wein und sogar die Bananen erreichten die Redaktion in tadellosem Zustand. Die Bananen wurden gleich vertilgt. Der Wein muss warten.

Kurios bleibt das Thema Food-Einkauf im Internet auf alle Fälle. Der Kollege Rode wies in der Konferenz noch darauf hin, dass bei Amazon kürzlich nicht nur fabrikfrische Lätta-Margarine angeboten wurde, sondern – wie auf der Internet-Plattform bei Nonfood-Sortimenten nicht unüblich – sogar eine gebrauchte Variante. Ich vermute, das war ein Software-Problem.

Aber, wer weiß! Kürzlich haben wir bei der Veranstaltung von Lebensmittel Zeitung direkt, dem Sales Cup, jemanden in der Kategorie Industrie/Launch/Relaunch ausgezeichnet. Es war die zu Devely gehörende Düsseldorfer Löwensenf GmbH. Die hatten in ihrer Aktion dazu aufgerufen, gebrauchten Senf von Zuhause mitzubringen und ihn gegen einen Gutschein für ein frisches Glas Löwensenf einzutauschen.

Sie sehen, nichts scheint unmöglich. Vielleicht gilt das bald auch für Lebensmittel im Internet – ob neu oder gebraucht.

12. Juli 2010 um 14:55 Uhr

POSsierlich

Von Lattmann

POSklein

„Point of Sale“ oder, kryptischer noch, „POS“! Was bitte ist das genau? Die Wette gilt: Wer einer beliebige Stichprobe von Normalverbrauchern dazu Begriffserklärungen abverlangt, wird eine karge Ernte einfahren. Der auch noch in fremder Zunge codierte Fachbegriff gehört nicht zum Sprachschatz von Konsumbürgern. Aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis, den ein deutschlandtypischer Mix bildungsnaher- und –ferner Schichten prägt, kam beim neugierigen Nachhaken nur Schulterzucken als Echo. Selbst die großzügige Erlaubnis, einen blitzgescheiten Telefonjoker anzurufen, führte nicht zum Erfolg.

Der Betreiber des im Bild gezeigten Geschäfts darf demnach eher nicht hoffen, dass die weltmännisch gemeinte Firmierung seinem Markt in Münster/Westfalen schon Top-Frequenz verschafft. Immerhin: Das Kleinergedruckte gibt der Zielgruppe dann doch unverschlüsselt formulierte, wertvolle Hinweise zum Sortiment: Preisgünstige Marken-Textilien oder zumindest solche, die in fernen Ländern mit Marken-Kennzeichen versehen wurden, werden da angepriesen. Ob Merkur, Gott der Händler und der Diebe, da vielleicht doch ein Einsehen hat und den kühnen Handelsmann mit klingender Münze belohnt?

Für professionelle Key Accounter, Einkäufer, Werbefachleute und sonstige Eingeweihte ist der „Point of Sale“ natürlich der Dreh- und Angelpunkt. Doch die Schar der Schnäppchenjäger, die Handel und Industrie am POS ordentlich mit Umsatz-Euros belohnen soll, will sich am „Ort der Wahrheit“ so wohl wie nur möglich fühlen. Ob ein „Event“ wirklich mehr Käufer anlockt als ein „Spektakel“, ist keineswegs erwiesen. Und – um den roten Faden fortzuspinnen – fährt ein „Sale“ tatsächlich mehr Ab- und Umsatz ein als der über Jahrzehnte verinnerlichte, saisonal klar zurechenbare und damit Orientierung gebende „SSV“ bzw. „WSV“?

Auch wer kein Englisch kann, hat längst gelernt, dass im Handel heutzutage ganzjährig immer irgendwo „Sale“ zelebriert wird. Für manchen Konsumenten ist Beliebigkeit freilich ein Gegner des Besonderen, also des vielbeschworenen „Erlebnis“-Einkaufs. Hinzu kommt: „Sale“ steht heute aus Verbrauchersicht nicht mehr nur für den (Schluss)-Verkauf traditioneller Prägung, sondern genauso für „Ausverkauf“, sprich: für Pleite, Insolvenz, Konkursmasse, Restantenramsch und damit die allzeit mögliche Schnäppchenjagd.

Die nachhaltig verfestigte Orientierung deutscher „Shopper“ auf möglichst niedrige Verkaufspreise wird oft beklagt. Ob eine forcierte „Sale“-Strategie dem ein Ende setzen kann, muss wohl eher verneint werden.

9. Juli 2010 um 11:25 Uhr

Schöne neue Karstadtwelt

Von Lattmann

Karstadt Prospekt

Werbung darf als gelungen gelten, wenn sie es schafft, positive Emotionen zu vermitteln, nostalgisch-romantische Gefühle zu erzeugen oder den Betrachter zum Schmunzeln zu bringen. Wie genau das im Einzelfall erreicht werden kann, darüber zerbrechen sich die Kreativen der Kommunikationsbranche tagtäglich den Kopf. Es geht um nichts weniger als den Spagat zwischen knallharter Unternehmensrealität und sinnlich-schöner Gefühlswelt, die raffinierte Verbindung zweier gegensätzlicher Welten.

Ich gebe es offen zu: „Soll man das unter Gedankenlosigkeit oder Galgenhumor verbuchen?“ lautete meine erste spontane Reaktion, als mir dieser Karstadt-Prospekt in die Hände fiel. „Sommer – Dabei sein ist alles!“ prangte dort in roten Lettern auf himmlisch-blauem Untergrund.

Zu meiner Entschuldigung kann ich vorbringen, dass ich schließlich kein Werbefachmann bin. Und dass ich es inzwischen eingesehen habe: Wir stehen hier vor einem der schillerndsten Beispiele gelungener Kommunikation. Erinnern wir uns an die eingangs gelieferte Definition zurück, so müssen wir zugeben, dass hier in wahrhaft meisterhafter Art und Weise alle drei Elemente miteinander verbunden wurden.

Dieser Satz bringt den Betrachter nicht nur zum Schmunzeln (den Galgenhumor habe ich ja immerhin gleich entdeckt), erzeugt nicht nur nostalgisch-romantische Gefühle à la „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“, sondern relativiert auch die vermeintlich verzweifelte Lage des Unternehmens nach dem Motto: Hauptsache, wir überstehen den Sommer. Wie, warum und wozu ist eigentlich egal. Was danach kommt, sowieso. Freuen wir uns also gemeinsam, wie schön doch die Welt ist. Think positive.

Denn: Dabei sein ist alles!

2. Juli 2010 um 15:56 Uhr

Flagge oder Vuvuzela

Von Lattmann

Liebe Freunde der Bundesrepublik Deutschland und der deutschen Fußball Nationalmannschaft. Ich bin schon ganz nervös. Viel Zeit bleibt ja nicht mehr, bis es gegen Argentinien geht. In den vergangenen Tagen hatte ich mir schon einige Gedanken gemacht, in welcher Form ich das Großereignis würdigen könnte. Edeka hat ja Uwe Seeler ins Rennen geschickt, Rewe powert mit Prinz Poldi.

Bei einer Fahrt durchs Ruhrgebiet ist mir der Gedanke gekommen, doch etwas über die Deutschland-Fahne zu schreiben. Fast scheint es so, als wehe sie an jedem vierten Auto. Mal links, mal rechts. Mal beidseitig. Als Multikultiland gibt es auch Mischformen: links Italien, rechts Deutschland. Gestern habe ich sogar Argentinien rechts und Deutschland links gesehen. Das dürfte morgen eine aufregende Familienfeier werden.

Meine Vermutung war ja, dass die Steckfahne derzeit der Top-Artikel schlechthin ist. Aber weder Nielsen noch  GfK oder ein anderer schlauer Marktforscher konnte meine These mit Zahlen untermauern.

Dass da einiges flattert, ist aber offensichtlich. Der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen bestätigte mir gegenüber, dass allein bis zur Vorrunde der Europameisterschaft 2008 rund 6000 Fahnen am Fahrbahnrand gelandet sind. Ob sich daraus eine Hochrechnung für 2010 machen oder gar ermitteln lässt, wie viel Fahnen insgesamt von Discountern, Supermärkten oder Tankstellen verkauft wurden, vermag ich nicht zu sagen. Ein Sprecher vom Düsseldorfer Polizeipräsidium meinte etwas belustigt, er persönlich registriere mehr überfahrene Igel als herrenlose Flaggen. Ich glaube, der Mann hat nicht recht.

Ob die Fahne der Nonfood-Artikel der Saison ist, weiß ich also nicht. Das Preisspektrum und wohl auch die Qualitäten sind weit gespannt. Der Flagge machen andere Fan-Artikel Konkurrenz, die Mensch und fahrbaren Untersatz schmücken – wie beispielsweise die in vielen Landesfarben erhältliche Außenspiegelflagge.

Der Nonfood-Importeur Xtreme ließ mich allerdings wissen, dass die Plastik-Posaune Vuvuzela derzeit wie warme Semmeln weggeht. Die Original-”Vuvuzela”, für die Xtrem die Vertriebsrechte nicht nur für Deutschland besitze,  sei natürlich nicht nur in Deutschlandfarben, sondern auch passend zu Firmen-CIs erhältlich. Tolle Idee. Besonders als Einlagetool verwendbar, wenn der Geschäftsführerkollege im Meeting wieder zu viel labert.

Die Produktion der dreiteiligen Tröte finde in Deutschland statt, genauer gesagt mit einer Tagesproduktion von bis zu 60 000 Stück im pfälzischen Bad Kreuznach. Umweltfreundlich und TÜV/GS geprüft und – man höre und staune – Ohren schützend auf 120 Dezibel gedrosselt. Ich glaube, selbst dieser Wert ist auf Dauer der Gesundheit nicht zuträglich.

So Freunde. Ich muss jetzt los. Wenn ich keine Vuvuzela mehr finden sollte, krame ich meine alte Deutschland-Flagge von 2006 aus dem Keller aus. Das wird schon ausreichen, um die Jungs am Kap zu unterstützen.