“Dann kaufen Sie doch bei Karstadt”
Von LattmannDas Radio spielt “On the road again”. Das passt gut. Ich gurke bei Haldensleben durch dicken Regen. Gerade habe ich das Foto von einem NP-Discount der Edeka Minden-Hannover gemacht. Direkt daneben steht der Freestander von Netto Marken-Discount, der ja nun auch schon zwei Jahre zu Edeka gehört. Gleich um die Ecke steht ein Plus, ebenfalls recht neu und bald wohl neues Mitglied des Edeka-Reiches. Ich denke, die Edeka erobert jetzt auf dem Weg zur Discounter-Company Straßenzug um Straßenzug. Familien-Kannibalismus in Reinkultur.
Es regnet immer noch. Die LZ-Redakteure sitzen wahrscheinlich im Trockenen auf ihren weichen Redaktionsstühlen. Wenn die wüssten, wie hart das Leben hier draußen im Einzelhandel wirklich ist. Jetzt wollen sie in aller Schnelle etwas über meine jüngste Tour durch die Schweiz wissen. Dank meines im Sommer bei Aldi Nord erworbenen Navigationsgerätes aus dem Hause Medion bin auch im Land der Eidgenossen fast mit schlafwandlerischer Sicherheit unterwegs. Die Betonung liegt auf fast.
Kurzer Rückblick: Ich fahre das Ladennetz von Aldi Suisse ab. Nach einer weiteren Stippvisite in Winterthur will ich aber auch noch zur Niederlassung der Lidl-Niederlassung in Frauenfeld, Züricherstraße 300. Ich fahre ein ganzes Stück und plötzlich tönt das Navi: “Sie haben Ihr Ziel erreicht.” Ich stehe aber nicht von der Lidl-Niederlassung sondern vor dem Frauenfelder Aldi in der Züricherstraße 381. Am Kreisverkehr hat mich das Navi in die andere Richtung geschickt, und ich frage mich, kann man so etwas bei Medion bestellen? Das wäre schon ein Wettbewerbsvorteil, wenn alle Kunden automatisch zu einer Aldi-Filiale gelotst würden. Naja, Spaß beiseite. Aber kurios ist es schon, dass die von Aldi Süd betriebenen Schweizer Filialen von der Navigation mit Aldi Nord Logo angezeigt werden. Ich erfahre von der LZ-Redaktion, dass seinerzeit noch ein Herr Hartelt bei Aldi Nord für den Einkauf verantwortlich zeichnete. Ich denke, guter Mann, dieser Herr Hartelt.

Im Übrigen. Durchblick kann ja nie schaden. Bei einem Abstecher nach Halle sticht mir die Werbung entlang der Bundesstraße von Optik Schröder ins Auge. Vorsicht Vollbremsungsgefahr.
BMW wirbt ja gerade fürs neue Coupe mit Fhrfrde = Fahrfreude. Poco Einrichtungsmärkte ist weiter. Vielleicht aber liegen dem Plakat-Auftritt in Münster ganz andere Aspekte zugrunde? Aufmerksamkeitsstark ist es auf alle Fälle. Ganz egal, ob die Sache beabsichtigt oder nur das Ergebnis übermäßigen Alkoholkonsums ist. “Schöner Wohnen” ist alltäglich, auswechselbar. “SCHÖNES NEN WOH” dagegen trägt existenzialistische Züge in sich.
Von Poco nach Düsseldorf. Dort gilt es, über eine Begegnung der unheimlichen Art zu berichten. Ich begleite eine gute Freundin zum Kauf einer Waschmaschine zu Saturn. Sie wissen schon. Das sind jene, die “Geiz ist geil” abgeschwört haben und mittlerweile “Technik lieben”. Aber weil das allein vielleicht nicht reicht, “hassen” sie auch noch “teuer”. Die Waschmaschine bei Karstadt für 449 Euro ist ausverkauft. Die gleiche bei Saturn soll 479 Euro kosten. Der Hass-Liebe-Dialog zwischen meiner Bekannten und dem Verkäufer ist aufschlussreich und geeignet, von Loriot weiter verarbeitet zu werden:
Kundin: Kann man am Preis noch etwas machen?
Mitarbeiter: Nein.
Kundin: Bei Karstadt kostet das Modell nur 449 Euro.
Verkäufer: Dann kaufen Sie doch bei Karstadt.
Kundin: Ist denn dann wenigstens die Lieferung und die Altgeräteentsorgung kostenlos?
Verkäufer: Ne, die Lieferung kostet 25 Euro, die Entsorgung noch mal 18 Euro.
Kundin: Bei Karstadt ist die Lieferung umsonst und die Mitnahme des Altgeräts kostet nur 15 Euro.
Verkäufer: Dann kaufen Sie doch bei Karstadt.
Kundin: Aber der Kundin vor mir haben Sie für die Lieferung nichts in Rechnung gestellt.
Verkäufer: Die hat ja auch eine Maschine für über 800 Euro gekauft.
Kundin: Dann kaufe ich eben bei Karstadt.
Meine Bekannte hat übrigens nicht bei Karstadt gekauft – die Lieferung hätte vier Wochen in Anspruch genommen. Sie schlägt stattdessen bei einem anderen Saturn in Düsseldorf zu, ohne sich erneut in Preisverhandlungen aufzureiben. Sie überlegt, dem Saturn-Mitarbeiter zu Weihnachten ein T-Shirt zu schenken mit der Aufschrift: “Kaufen Sie doch bei Karstadt”. Ich finde, das ist eine prima Idee.
Vielleicht sollte man auch nicht ganz so streng sein. Mitunter muss dem Kunden deutlich gesagt werden, was er zu tun und zu lassen hat. Der Mensch von heute ist ja oft völlig verwirrt. Eine klare Ansprache kann hilfreich sein. Aus einschlägigen Werbesendungen ist der Spruch “Ruf mich an” bekannt. Am Imperativ finden offensichtlich die Famila-Leute aus dem hohen Norden gefallen. Dort prangt auf dem Regal-Etikett im knalligen Rot: “Kauf Ost”. Regionalität der unverblümten Art. Bei mir wirkt’s. Ich hab’ mir gleich was aus der Region in den Einkaufswagen gelegt.




