Verbundwerbung ohne Verbundwirkung
Von LattmannWas ist es doch schön, dass es nicht nur Filialisten für alles Mögliche gibt. Für Lebensmittel, für Möbel oder für Elektronik. Als klitzekleiner Metro-Aktionär zieht es mich bei bestimmten Artikeln regelmäßig zum Media-Markt. Hin und wieder rät mir der kleine Vielfaltsbewahrer in meinem Ohr jedoch, mich auch anderweitig umzusehen. Am Wochenende war’s mal wieder soweit. Endlich wollte ich mir ein kleines Notebook zulegen, damit ich auch unterwegs nicht von der Kommunikation abgeschnitten bin.
Aber von vorne: Im Internet hatte ich mir mein Wunschmodell ausgesucht. Bei Media-Markt war es laut neuem Internet-Auftritt zumindest im rückwärtigen Raum irgendwo vorhanden, aber leider nach meinem Geschmack etwas zu teuer. Über die Telefon-Hotline wollte ich versuchen, den Preis zu verhandeln, aber ich kam nicht weit. Obwohl ich das Laptop auf der Media-Homepage leibhaftig vor mir ausgebreitet sah, erklärte mir die Stimme der Hotline, dieses Produkt gebe es nicht bei Media-Markt.
Auch gut, dachte ich bei mir. Jetzt höre ich mit noch besserem Gewissen auf den kleinen Mann in meinem Ohr. Er hauchte: Geh’ doch zu ElectronicPartner (EP). Okay, warum nicht! Glückliche Fügung: Im Internet war der aktuelle Flyer abgebildet. Beim Durchblättern erkannte ich sogar mein von mir favorisiertes Laptop als Aktionsangebot. Herrlich, so dachte ich bei mir. Dann ruf’ ich mal einige EP-Händler im Rhein-Main-Gebiet an, ob das schöne, schlanke Stück wirklich vorrätig ist.
Nach dem vierten Anruf bei einem EP-Händler war nicht nur der kleine Mann in meinem Ohr ganz geknickt. “Nicht da”, nicht “vorrätig”, das ist “ein Auslaufmodell, das führen wir nicht mehr”. Interessant, dachte ich bei mir, und warum wird es dann beworben? Beim nächsten Anruf bohrte ich dann etwas tiefer und siehe da, es offenbarte sich ein altes Dilemma. Was die Zentrale einer Verbundgruppe als nationalen oder regionalen Top-Artikel in Absprache mit einem Lieferanten auswählt, muss bei den selbstständigen Kaufleuten – offensichtlich ohne jeglichen Bezugszwang – überhaupt keine Jubelstürme auslösen.
Der EP-Händler sagte mir, das Produkt ordere er nicht, weil es kein Laufwerk für DVD/CD hat, das verkaufe sich nicht so gut. Er könnte es aber bestellen. “Nein, danke, lassen Sie mal, so entgegnete ich enttäuscht. “Das kann ich auch von Zuhause aus. Und, dort kriege ich das Teil noch mal 50 Euro günstiger.”
Schade eigentlich. Aber manchmal macht es einem der stationäre Handel wirklich nicht leicht. Egal, ob Filialist oder Verbundhändler.




