“ICE-Problematik” im LEH?
Von LattmannDer Süßwaren-Hersteller Ferrero weiß sehr wohl, warum er eine Sommerpause für besonders empfindliche Produkte einlegt. Das ist nicht nur Marketing, wie gerne unterstellt wird.
In diesen Tagen klagt der eine oder andere Kaufmann über Schokoladen-unfreundliche Temperaturen in seinen Verkaufsräumen. Sogar in den kürzlich von Tegut übernommenen, teilweise recht neuen Märkten von Kaiser’s-Tengelmann, wirkten die Milka-Tafeln auf mich mitunter wachsweich.
Björn Harste, als Sparhändler vielen in der Republik als Shopblogger bekannt, spricht von problematischen Zuständen. In unverblümter Offenheit wird sogar auf seinem Blog eine völlig aus der Form geratene Ritter Sport porträtiert. Der Händler, der in einem in die Jahre gekommenen Flachdachmarkt keine Klima-Anlage hat, diese jetzt aber einbauen lässt, behilft sich derweil mit einem gerade installierten Propeller-Ventilator an der Decke.
Das Thema bewegt auf alle Fälle viele Kunden, siehe dazu auch den Link am Ende meiner Ausführungen.
Das Dilemma ist mir aus meiner Zeit im Einzelhandel vertraut. Fast jeden Sommer gab es mindestens einen Tag, an dem die Klimaanlage den Temperaturen nicht gewachsen war. Nennen wir das einmal aus aktuellem Anlass ICE-Problematik, die Bahn kann ein Lied davon singen (seltsam eigentlich, wo doch “ICE” im englischen Wortsinn doch eher gemäßigte bis unterkühlte Umgebungstemperaturen erwarten lässt, oder?).
Trotz dieser Brutalo-Temperaturen steht der deutsche LEH nach meinen aktuellen Beobachtungen jedoch keineswegs knöchelhoch in Flüssig-Schokolade. In den vergangenen Tagen ist mir sogar eher Gegenteiliges aufgefallen: Der Einzelhandel und hier in vorderster Front die Discounter, sind ein Quell der Erfrischung. Nicht mit tollen Angeboten lockt man mich derzeit in die Läden, es sind vielmehr die Temperaturen. Wenn man aus einem halbwegs klimatisierten Auto über einen glühenden Parkplatz im prallen Sonnenschein bei 40 Grad beispielsweise einen wundervoll klimatisierten Aldi Süd, Lidl oder Penny betritt, mag man diesen Ort gar nicht mehr verlassen.
Wie sich das wohl auf den Umsatz auswirkt, wenn die Kunden nun nicht nur Getränke in Massen kaufen, sondern dazu noch wegen den angenehmen Temperaturen Muße haben, jeden Gang ausgiebig zu würdigen?
Schokoladenprodukte sollte man natürlich am besten gleich hinter der Kasse verzehren, den Weg zum Kofferraum überleben sie nicht unbeschadet.
Mein Fazit: Wenn die Bahn wissen möchte, wie gute Klimatechnik funktioniert, sollte sie sich vom Einzelhandel beraten lassen…
Leergeräumtes Regal unter: http://www.bild.de/BILD/news/leserreporter/aktuell/nachrichten/2010/07/14/1414-tag-schokolade-schmilzt/im-deutschen-handel.html
Hier noch ein Link zum Thema: www.shopblogger.de/blog/archives/10510-Hochsommerliche-Temperaturen….html




