26. November 2010 um 14:23 Uhr

In der Kuschelecke

Von Lattmann

 

Was denn – Aldi Nord auf Tuchfühlung mit Netto Markendiscount? Im sächsischen Zwickau teilen sich die beiden Billiganbieter brüderlich nicht nur einen gemeinsamen Kundenparkplatz, sondern quasi einen ganzen Gebäudekomplex. Fehlt ja eigentlich nur noch, dass irgendjemand nächtens mal die fast papierdünne Anstands-Trennscheibe zwischen den Märkten nach oben herauszieht und den Kunden das ungehinderte Hin- und Herflanieren ermöglicht!

Dieses harmonische Miteinander lädt Branchenkenner gleichermaßen zum Schmunzeln wie auch zum Nachdenken ein. Am besagten Standort in der Otto-Hahn-Straße hätte – wie vielerorts in der Republik – gut auch ein selbstständiger Edekaner oder Rewe-Kaufmann in Nachbarschaft zur Essener Discount-Majestät Flagge zeigen können. Dass Netto hier fast unter einem Dach mit Aldi kuschelt, verdeutlicht, wie sehr sich die Discount-Zunft mittlerweile differenziert hat. Denn mit gutem Grund rühmt sich der Edeka-Sprössling werblich als „Discounter mit dem größten Sortiment“. Manch einer in der Branche spricht da sogar von einem „diskontierenden Supermarkt“.

In seinen Verkaufsstellen bietet das Unternehmen aus Maxhütte-Haidhof immerhin drei- bis viermal so viele Artikel wie die Genre-Fürsten aus Essen, Mülheim und Neckarsulm an. In Zwickau reizt Netto so manchen Kunden, der sein Shopping zunächst beim Nachbarn begonnen hatte, mit einer Bedientheke für Fleisch und Wurst zum Sprung über den Gartenzaun an. Das Sprichwort „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ mag zwar in vielen Lebensbereichen die Wirklichkeit gut beschreiben. Im wettbewerbsintensiven Lebensmittelhandel freilich gilt jene Volksweisheit, die gerade das Gegenteil verkündet: „Gegensätze ziehen sich an.“

22. November 2010 um 18:36 Uhr

Hochprozentiges aus der Region?

Von Lattmann

Mit der Regionalität nimmt es nicht nur Edeka nicht so genau. Daniel Zelenka hat uns dieses Foto aus einem Real-Markt geschickt. Jägermeister, Bacardi, einige Wodka- und Whisky-Marken, alles unter dem Label “Gutes aus ihrer Region”. Na denn Prost!

19. November 2010 um 13:51 Uhr

Unsere mallorquinische Heimat

Von Lattmann

Was sich dieser Edeka-Händler wohl gedacht hat? Klar, für viele gilt Mallorca seit langem als 17. Bundesland. Aber spanischen Eisbergsalat unter dem Regionallabel “Unsere Heimat” zu verkaufen, ist auch im Zeitalter der Globalisierung und des Besetzens ausländischer Strände durch Heerscharen von mehr oder weniger friedlichen Touristen zumindest gewagt. Oder soll es eine Offerte des Ausgleichs sein, also spanischen Touristen wenigstens ein kleines Stück Heimat bieten – im kalten Norden Deutschlands? Usedom im Tausch für Mallorca? Wir grübeln noch über die wahren Absichten ebenso wie ein aufmerksamer LZ-Leser, der uns das Beweisfoto geschickt hat. Oder sollten wir schon mal recherchieren, ob es nicht einen Friedensnobelpreis im Bereich Obst und Gemüse beziehungsweise sogar Bedarf für einen Chefunterhändler im deutsch-spanischen Inseltauschprogramm gibt?

18. November 2010 um 18:15 Uhr

X-mal Berlin

Von Lattmann

Berlin scheint geradezu dazu zu verleiten mit der möglichst beeindruckend hohen Anzahl der eigenen Märkte im Stadtgebiet zu werben. Nicht nur Lidl kehrt seine 150 Filialen stolz heraus, ich sehe auch bei jedem Berlinbesuch mindestens einmal eine Hauswand mit Kaiser’s Bemalung “Über 150 x in Berlin” und Kaufland wirbt mit “Über 40 x in Berlin und Umgebung”.

Dabei scheint viele Standorte in Berlin zu haben, mittlerweile keine große Kunst mehr zu sein. Aldi Nord bringt es zum Beispiel auf rund 160 Filialen, Netto MD gar auf rund 170 und selbst der kleine Netto ist mit rund 50 Filialen anzahlmäßig ja nicht auf den Hund gekommen…

7. November 2010 um 17:29 Uhr

Mein Check bei Real-Drive

Von Lattmann

Vor kurzem hatte ich angekündigt, möglichst bald dem neuen Real-Drive in Isernhagen-Altwarmbüchen einen Besuch abzustatten.  Dazu hatte ich mittlerweile Gelegenheit. Also schnell die Registrierung vorgenommen, bestellt, Bestätigungsmail erhalten, SMS-Benachrichtigung erhalten, dass mein Einkauf gerade zusammen gestellt wird. Das lief alles wie am Schnürchen. So hieß es für mich: Nichts wie ab nach Altwarmbüchen.

Allerdings war es mir dort nicht vergönnt, meinen Einkauf unter normalen Bedingungen zu tätigen.  Als ich ankam, wurden vom Real Drive gerade Fotos aufgenommen, die Säule zum Scannen meines zuhause pflichtschuldig ausgedruckten und mitgebrachten Abholscheins stand auf einem Hubwagen, eine junge Frau stellte im Auto sitzend eine abholende Kundin dar. Ich als echter Kunde hingegen wurde sofort persönlich begrüßt, was so wohl kaum dem üblichen Ablauf entsprechen dürfte, den ich mir erhofft hatte. Der bestellte Einkauf wurde mir allerdings rasch gebracht. Ich wurde gebeten, diesen zu kontrollieren, verstaute alles im Kofferraum, zahlte in einem kleinen Pavillon-Zelt, Payback-Punkte wurden gutgeschrieben, Treuepunkte ausgehändigt. Fertig. Das lief wirklich schnell und reibungslos!

Der berechnete Euro für den Service geht absolut in Ordnung, denn der ist sympathisch und gut. Man sieht auch, wo Real das Service-Entgelt reinvestiert: Es geht in Plastiktüten! Die ans Auto gebrachte Ware ist komplett in dünnen Tüten verpackt und wegen der verschiedenen Warengruppen, die bis zur Abholung unterschiedlich gelagert werden müssen, kann in so einer Tüte schon einmal kaum etwas drin sein. Ich bekam meine 26 erworbenen Artikel in 7 Tüten, das sind im Schnitt 3,7 Artikel pro Tüte. In einer befanden sich nur 3 x „Dole Banane, 1 Stück“.

Bei dem Obstartikel offenbart sich die Schwierigkeit, Ware nicht lose nach Gewicht verkaufen zu können, sondern immer nur in vorverpackten Einheiten oder als einzelne Stücke. Die einzelne Marken-Banane kostet im Drive 20 Cent und braucht natürlich noch eine Grundpreisauszeichnung, die für 100 Gramm mit 13 Cent angegeben wird, so dass jede Banane rechnerisch 154 Gramm wiegen müsste. Meine Exemplare haben sich an das auferlegte Dogma allerdings in keinster Weise gehalten und brachten deutlich mehr Gewicht auf die Waage…

Vor Ort waren zahlreiche Real-Offizielle im Einsatz, um das jüngste Kind aus dem Hause für die eigentliche und öffentlichkeitswirksame Eröffnung am Dienstag dieser Woche vorzubereiten. Als ich von einem Mitarbeiter angesprochen wurde, sagte ich gleich, wer ich bin und für wen ich den Testkauf vornehme. Ich erhielt sogleich eine erste kostenlose Führung durch die neuen heiligen Hallen des neuen Drive-in-Marktes.

Innen erinnert der Real-Drive fast weniger an ein Lager als an einen echten Supermarkt: Akkurat eingeräumte und vorgezogene Regale, Sortimentsanordnung nach Kundenlogik, natürlich fehlen ebenso wenig Regaletiketten, selbst die für die Wochenwerbung sind gesteckt.

Im Gespräch mit den anwesenden Verantwortlichen über das Konzept und vor allem die Internetseite als sein Herzstück wird schnell deutlich, dass sich Real bei seinem Drive-Konzept viel vorgenommen hat und es zu einer richtig runden Sache nah an den Wünschen des Kunden machen will.

Dazu gehört an mancher Stelle zum Beispiel ein letzter Feinschliff für einen noch geschmeidigeren Bestellvorgang. So bei der integrierten Volltextsuche auf der Internet-Seite. Die ist nämlich vom Grunde her in der Welt des Lebensmittelhandels noch ortsfremd und arbeitet nach Schema F. Das heißt: Momentan stellt sie noch keinen irgendwie gearteten Zusammenhang zwischen dem Suchbegriff „Schokolade“ und dem Artikel „Milka Alpenmilch“ her. Ich denke mal mit Blick auf Industriemarken, das wird Real – selbst wenn der Verkauf der Eigenmarken im neuen Drive eine große Rolle spielen soll – wohl noch nachjustieren müssen. Der erste Eindruck war allerdings schon recht passabel. Hoffentlich finden das die zukünftigen Kunden auch.

2. November 2010 um 19:37 Uhr

Figurformende Wäsche

Von Lattmann
Frauen gehen mit ihrem Äußeren ja viel strenger ins Gericht als Männer. Deshalb war sich die Kollegin, eben erst 40 geworden, der Veränderungen ihres Körpers schmerzhaft bewusst. An Komplimenten mangelt es zwar nach wie vor nicht, aber allein zu Hause vor dem Spiegel haderte sie trotzdem mit den Zeichen der Zeit, unvermeidlichen Folgen der zunehmenden Schwäche des Bindegewebes.
Trotzdem traf sie der Brief von Galeria Kaufhof wie ein Schock. Der an sie persönlich adressierte Umschlag enthielt einen Prospekt für “figurformende Wäsche”! Alles sehr hübsch anzusehen, die Trägerinnen ausnahmslos mit genau der Figur, die sich wohl jede Frau wünschen würde. Die Hüftslips der Marke Felicitas haben kaum noch etwas gemein mit den Miedern früherer Zeiten. Elasthan statt Fischbein! Trotzdem habe sie nicht gewusst, ob sie lachen sollte oder weinen, sagt die Kollegin. Woher, um Himmels willen, konnten die Leute von Kaufhof wissen, dass genau sie sich gerade ein wenig figurformende Unterstützung gewünscht hatte, um im Ballkleid weiter so gut auszusehen wie eh und je?

Bekamen den Katalog alle Frauen, für deren Kundenkarte ein Geburtsdatum vor 1970 erfasst worden war? Oder war sogar gespeichert worden, dass sie kürzlich in der Drogerieabteilung eine Creme gegen Orangenhaut gekauft hatte? Oder verbarg sich längst eine Überwachungskamera hinter ihrem Badezimmerspiegel? Sie ließ ihren Mann nachschauen. Entwarnung. Halb versöhnt machte sie dann tatsächlich bei ihrem nächsten Besuch auf der Frankfurter Zeil einen Abstecher in die Fachabteilung des großen Kaufhofs dort.
Das Ergebnis können die Gäste des Goldenen Zuckerhuts in wenigen Tagen bewundern.
2. November 2010 um 08:44 Uhr

Aus für die Rezession

Von Lattmann

Es geht aufwärts! Laut aktueller Informationen aus dem Hause des Marktforschungsunternehmens Nielsen ist die Stimmung bei der Verbrauchern so gut wie zuletzt im Jahre 2005. Da passt der Hinweis unseres Lesers  Ingo Urbat aus Berlin. Es glaubt auch, dass die Rezession tatsächlich vorbei zu sein scheint. “Das Rezessions-Klopapier wird jedenfalls schon im Jawoll Sonderpostenmarkt feilgeboten”,  schreibt er unter Hinweis auf ein Bild von einem Markt in der mecklenburgischen Provinz. Danke dafür.

1. November 2010 um 10:00 Uhr

Weglassen à la Norma

Von Lattmann

Discount ist bekanntlich die Kunst des Weglassens.

Bei meinem letzten Besuch in einer Norma-Filiale stieß ich auf den Handzettel zur 9. Preissenkungsrunde 2010. “Norma ist der Preissenker” strahlte mich die Überschrift an, belegt durch ein Zitat aus der MDR Umschau.

Auf der Internetseite des MDR habe ich den Volltext gefunden, er bezieht sich auf eine Erhebung von Preiszeiger.de, über die auch in der LZ berichtet wurde. Danach – oh Wunder – senken die Discounter nicht nur Preise, nein sie erhöhen sie mitunter munter. Im Verhältnis deutlich mehr Senkungen als Erhöhungen weisen laut der Erhebung nur drei Discounter auf. Die MDR Umschau darf dazu korrekterweise zitiert werden mit:

“Mehr Preissenkungen als Erhöhungen gab es nur bei “Norma” und “Aldi”. Bei “Aldi Nord” und “Aldi Süd” kommt auf rund drei Senkungen eine Erhöhung, bei “Norma” zwei Preisreduzierungen auf eine Anhebung.”

Norma hat also einen respektablen dritten Platz im Ranking belegt. Aber die Franken wären ja keine echten Discount-Profis, wenn sie das zugegebenermaßen sperrige MDR-Zitat mit seinen zahlreichen enthaltenen Informationen nicht durch die Kunst des Weglassens discounttypisch aufbereiten könnten. Und so liest es sich doch gleich viel besser:

29. Oktober 2010 um 15:22 Uhr

Völlig abgefahren – Tests von Real, Rewe und Tesco für eilige Kunden

Von Lattmann

Auchan macht’s, Carrefour macht’s, Rewe macht’s, Tesco macht’s und jetzt auch noch Real. In Altwarmbüchen haben die Mönchengladbacher auf dem Gebiet des dortigen Einkaufszentrum ihr neuestes Baby in die Freiheit des harten deutschen Wettbewerballtags entlassen. Der Spross hört auf den Namen “Real drive.de” (www.real-drive.de) und damit ist zumindest allen englischsprachigen Mitbürgern klar, worum es geht: Mit dem Auto vorfahren, um bestellte Lebensmittel in einem Aufwasch abzuholen. Bestellt werden können die etwa 5000 Artikel des täglichen Bedarfs nur übers Internet. Frühestens nach zwei Stunden steht die bestellte Ware am Real-Drive zur Abholung bereit, verspricht das Unternehmen. Real hat sich für ein “silent opening” entschieden und wirbt sozusagen noch ziemlich zurückhaltend mit dem Slogan “So einfach funktioniert’s jetzt in Hannover”. Erst Mitte November wollen die Mönchengladbacher richtig loslegen. Dann wird auch die Werbetrommel offensiv gerührt.

Ich werde in den nächsten Tagen den neuen Service von Real mal unter die Lupe nehmen, sobald ich in der Ecke vorbeikomme. Tesco hat ein ähnliches Konzept seit August in Baldock, Hertforshire am Netz. Unter Tesco Express wird es betrieben.

Die teure und aufwändige Zustellung von Lebensmitteln wird in der Branche ja länger schon heiß diskutiert. Der Selbstabholung vorbestellter Ware räume ich mittlerweile durchaus Chancen ein. Es könnte sein, dass die Zeit dafür reif ist, wenn es gut, professionell und konsequent gemacht wird.

So denkt wohl auch Rewe. Die Kölner lassen sich jedenfalls nicht entmutigen. In Köln-Klettenberg haben die selbstständigen Kaufleute Richrath ein vergleichbares Drive-in-Konzept in der Probephase (die LZ hat darüber berichtet). Es läuft wohl eher schleppend. Doch das muss nichts heißen. Vier weitere Märkte sind jetzt für den Raum Frankfurt angekündigt. Anfang 2011 sollen sie an vier Ausfallstraßen eilige Kunden vom schnellen Einkauf begeistern.  Ich denke, die Überlegung ist richtig. Ich selbst und viele Kollegen werden den Service eher nutzen, wenn sie auf der Heimfahrt keine großen Umwege und Zeitverzögerungen in Kauf nehmen müssen.

Real hat sich im Raum Hannover für ein Modell entschieden, das autark und unabhängig von den vorhandenen Real SB-Warenhäusern betrieben werden kann. Das eröffnet Optionen für die Zukunft. In Isernhagen wurde eine früher als Getränke- und Sportmarkt verwendete Fläche in ein 800 Quadratmeter großes Lager umgewidmet. Rund 20 Mitarbeiter sind dort seit Donnerstag im Einsatz, um die per Internet bestellte Ware zu kommissionieren und dem Kunden zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen.

Interessant finde ich, dass Real die selben Preise wie im SB-Warenhaus auslobt und lediglich eine Service-Gebühr von 1 Euro verlangt. Mit Speck fängt man Mäuse. Tesco Express ist ebenfalls noch günstig mit 1 Pfund, etwa 2.50 Eur0.

Real hat schon angekündigt, stark auf Eigenmarken zu setzen. Produkte von der Frischetheke gibt es allerdings nicht. Aber mal schauen, was geht und wie es läuft.

Gerade in den Tagen frage ich mich, warum erst jetzt soviele damit anfangen?

Mit interessiert, wie Sie die Chancen für Drive-in-Konzepte einschätzen, wo Sie die Fallstricke sehen und ob Sie schon Erfahrungen damit gemacht haben?

Real Drive, Opelstraße 3, 30916 Hannover

26. Oktober 2010 um 15:08 Uhr

Jeden Tag ein bisschen cleverer

Von Lattmann

Heute am Mittagstisch haben wir kurz über das Leistungsvermögen von Alain Caparros gesprochen. Den Rewe-Chef haben kürzlich drei unserer Redakteurinnen interviewt (Sie lesen richtig 3! – Bei uns ist das Thema Frauenquote  lang schon kein Thema mehr. Jedenfalls aus Frauensicht. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich wollte weder darüber noch Näheres über Alain Caparros sagen, der in Köln seit einigen Jahren nun schon einen wirklich passablen Job erledigt (das spannende Interview lesen Sie übrigens nur in Print).

Also, wir sind eigentlich über Herrn Caparros und die Rewe auf  Slogans der Lebensmittel-Händler zu sprechen gekommen. Natürlich begann gleich ein großes Gejohle, als wir uns einen Real-Slogan in Erinnerung rufen wollten. Wie ging der noch gleich?  Besorg’s dir doch gleich. Besorg’s Dir doch selbst? Ein Kollege hatte da mal bei einem Beitrag einiges durcheinander gebracht und den Zorn der Real-Verantwortlichen auf sich gezogen. Jedenfalls war das damals so wie heute. Man kommt bei dem Ausspruch unweigerlich auf falsche Gedanken. Das Ganze ist ja dann auch bald beerdigt worden. Heute steht bei Real die Tüte im Mittelpunkt: Einmal hin, alles drin. Das ist in Ordnung.

Rewe, die Lebensmittel lieben, das aber so nicht ausdrücken können, weil das Motto schon von Edeka verwendet wird, sind auf den Spruch gekommen: “Jeden Tag ein bisschen besser”. Unsere Chefin, die Frau Wisken, findet den gut. Die Message, die sie möglicherweise gern auf einige Redakteure angewendet sehen möchte, ist kein überhöhtes, nicht einzulösendes Werbeversprechen, sondern der Botschaft liegt eine Absicht, eine Entwicklungsmöglichkeit zugrunde, die den Verbreiter in all seiner Fehlbarkeit durchaus sympathisch erscheinen lässt.  Anders ausgedrückt, der Weg ist das Ziel.

Die Aussage lädt allerdings auch zum Missbrauch ein. Wir von der LZ haben vor einigen Jahren, als Rewe mit seinen Handelsmarken sehr nah an die Vorbilder seiner Markenlieferanten herangerückt ist, getitelt: “Jeden Tag ein bisschen frecher.” Genutzt hat’s nix. Allerdings heißt die neueste Feinkost-Range von Rewe jetzt “Feine Welt” und umfasst wirklich eine selbstentwickelte Markenwelt.

Dem Slogan kann – wirksamer und durchaus verwerflicher noch – zu Leibe gerückt werden.  Schauen Sie mal auf das Foto. Ich finde  (Schmier-)Attacken überhaupt nicht gut, aber es könnte auch ein Beweis dafür sein, wie hart heute im Lebensmittelhandel gegeneinander gekämpft wird. Ich hoffe aufrichtig, dass der Schmierfink, der das Entrée eines Wiesbadener Rewe-Marktes verschandelte, kein erboster Wettbewerber ist, dem Rewe mit ihrer täglichen Tiefstpreis-Kontrolle auf die Nerven geht und der darüber einfach durchgedreht ist. Auf so ein Niveau sollte wirklich niemand sinken!

Die Antwort muss eine andere sein. Ich denke über eine bessere Variante nach und greife dafür gerne auf das Gerüst des Rewe-Slogans zurück. Es könnte doch heißen: “Jeden Tag ein bisschen cleverer”.

Mit dieser Einstellung lässt sich auch der härteste Wettbewerber in die Schranken verweisen.