Keine Ampel mit Seehofer
Von Marco Kitzmann
Der Verbraucherminister Horst Seehofer hat heute hier auf der Anuga bekannt gegeben, wie denn nun künftig in Deutschland mit der Kennzeichnung von Nährwerten in Lebensmitteln verfahren werden soll. Ampel oder keine Ampel? Gesetzlich verpflichtend oder freiwillig? Das nachrichtlich Verwertbare habe ich schon für LZ|NET zusammengefasst: “Seehofer stellt ‘1 plus 4′-Modell vor”. Daher hier nur kurz die Eckdaten – und das, was besser ins Blog statt in die Nachricht passt…
Also: Deutschland bekommt nach dem Willen Seehofers und auch der deutschen Lebensmittel-Industrie keine Ampel-Kennzeichnung, wie es sie bereits zum Beispiel in Großbritannien gibt. Das sei “Verdummung” der Verbraucher. Statt dessen sollen im so genannten “1 plus 4″-Modell Kalorien sowie der Gehalt an Fett, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Salz auf der Verpackung angegeben werden. Ziel sei es, dem Verbraucher “wahre, verständliche und vergleichbare” Informationen über den Nährwert von Lebensmitteln an die Hand zu geben.
Mit seinen Ausführungen, warum er die Ampel-Lösung denn nun so kategorisch ablehne, sorgte der Minister an einem Punkt dann für ein wenig Verwirrung unter uns Journalisten: Die Farbe “Rot”, so Seehofer, bedeute bei uns Deutschen nun einmal ganz eindeutig “Stop”. In anderen Kulturkreisen, wie etwa bei den Engländern oder den Amerikanern, werde das aber eben nicht ganz so rigoros interpretiert. Fragende Blicke unter den Kollegen: Halten Engländer und Amerikaner an roten Ampeln dann also nur ein bisschen an?
Wie ernst er die Kritik der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch nimmt, die bereits am Wochenende wesentliche Eckpunkte aus einem Papier des Ministeriums auf ihren Internetseiten veröffentlicht hatte und Seehofer vorwirft, mit einer freiwilligen Kennzeichnung eine verbraucherfreundliche Lösung zu verhindern und sich der Industrielobby zu beugen, machte der Minister mit einer knappen Bemerkung am Rande deutlich: “Foodwatch? Ich glaube, der Verein besteht nur aus einer Person…”









