Anuga 12. Oktober 2009 um 19:04 Uhr

Mehr als Hafermastgänse und saure Gurken

Von Sabine Hedewig-Mohr
polish

Der Stand des polnischen Landwirtschaftsminister sieht aus wie eine gute Stube

Eine Präsenz mit 120 Firmen sei doch schon ganz beachtlich und könne mit dem diesjährigen Partnerland der Messe durchaus mithalten, glaubt Malgozata Wejtko, die Leiterin der Abteilung Handel und Investitionen im Landwirtschaftsministerium von Polen.

Der Minister war verhindert, weil er sich unter anderem mit Frau Aigner in Wien trifft, um über die Unterstützung für die Milchbauern zu verhandeln. Polen sei für die Beibehaltung der Milchquote und übrigens gegen Gentechnik, ob bei Lebensmitteln oder Futtermitteln.

Polnische Produkte landen – so erfährt man – viel häufiger auf deutschen Tellern als gedacht. Nicht nur die polnische Hafermastgans, sondern auch Süßwaren, Säfte, Milchprodukte und nicht zu vergessen die polnischen sauren Gurken. Dass wir Deutschen uns dieses Genusses selten bewußt sind, liegt daran, dass die Produkte als Handelsmarken oder unter anderen Labeln daher kommen. Aber jährlich kommen Lebensmittel im Wert von 2 Mrd. Euro über die polnisch-deutsche Grenze. Die werden sicher nicht alle in den 1500 polnischen Geschäften verkauft.

Freilich ist auch in der anderen Richtung Bewegung und viele deutsche Markenartikler produzieren mittlerweile im Nachbarland. Nur ein paar Beispiele: Ludwig Schokolade, Hochland, Oetker, Lambertz und Frosta. Man bracuht aber nicht zu glauben, dass deutsche Lebensmittel in Polen einen wesentlich besseren ruf haben als polnische Erzeugnisse in Deutschland.

Geschafft hat es ein Hersteller, wenn er bei Biedronka gelistet ist. Der Discounter mit über 2000 Outlets hat es nicht nur geschafft von den Lieferanten als Benchmark  anerkannt zu werden, sondern wird auch von den Kunden als polnisches Unternehmen wahrgenommen. Das Kapital stammt allerdings aus Portugal von Jeronimo Martin.

Der deutsche Discounter Aldi hingegen – erst in diesem Jahr gestartet – tut sich schwer in Polen. Dabei war Aldi für Generationen von Polen ein Synonym für westliche Konsumgenüsse. Vielleicht, glaubt  Malgozata Wejtko, hätte man dieses Potential früher nutzen müssen. Die jungen Polen hingegen legen mehr Wert auf Qualität und wollen nichts vom Billigimage deutscher Discounter wissen. Lidl habe da einen Fehler gemacht, indem die Konsumenten mit dem Slogan “Lidl ist billig” indoktriniert wurden.

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