Anuga 14. Oktober 2009 um 12:15 Uhr

Saure Chinesen

Von Rebecca Frener

Spricht man nicht dieselbe Sprache, muss man sich mit Händen und Füßen verständigen. Anscheinend gibt es jedoch auch andere Anlässe, bei denen die Hand- und Fuß-Sprache hilft. So geschehen bei der chinesischen Handelskammer in Halle 1a. Dort nämlich beschwerte sich ein ganzer Pulk von Herstellern aus dem Land der Mitte laut schreiend, gestikulierend und aufgeregt herumspringend über die widrigen Bedingungen. Gut für uns – ohne ein Wort Chinesisch zu können, waren wir uns über den Inhalt der Diskussion schnell im Klaren.

Heimliche Aufnahme mit dem Handy: Wütende chinesische Aussteller beschweren sich bei ihrer Handelskammer

Heimliche Aufnahme mit dem Handy: Wütende chinesische Aussteller beschweren sich bei ihrer Handelskammer

Um Zeuge dieser vielsagenden Szene zu werden, hatten wir so einiges auf uns genommen: Wir hatten den gesamten Messeboulevard einschließlich der völlig verqualmten “Piazza” durchquert, danach Halle 3, dann Halle 2, hatten uns bis in Halle 1 vorgekämpft, waren scharf rechts abgebogen, grünen Linien durch ein Treppenhaus gefolgt und dann über einen roten Teppich durchs Freie in das Zelt geschritten, das auf dem Lageplan als Halle 1a gekennzeichnet ist. (Zugegebenermaßen: Man hätte auch direkt durch Halle 2 hier ankommen können, wenn man denn den Durchgang nicht übersehen hätte.) Endlich angekommen, bot sich uns ein wunderbarer Ausblick:

Durch gähnend leere Gänge zwischen langen Reihen von Ständen, besetzt mit schlecht gelaunten Unternehmensvertretern.

Gähnend leere Gänge zwischen den chinesischen Ständen in Halle 1a

Gähnend leere Gänge zwischen den chinesischen Ständen in Halle 1a

Auf einem Schild am Eingang  erfuhren wir mehr über die “Bewohner” des Zeltes. Anbieter aus Vietnam würden wir unter anderem hier finden, und auch aus dem Libanon. Irgendwo, ganz unten, war auch von China die Rede. Nun muss man wissen, dass das Land mit seinen 470 Ausstellern auf insgesamt 6000 Quadratmetern Ausstellungsfläche als eine der größten ausländischen Delegationen auf der Anuga vertreten ist. In Halle 1a stellt sie sogar die mit Abstand größte Gruppe. Trotzdem warten die Unternehmen zum großen Teil vergeblich auf Kunden, was verständlicherweise für Unmut sorgt.

Warum das so ist, erklärte uns eine nette Dame von der chinesischen Zweigstelle der Kölnmesse. Die chinesischen Unternehmen seien über insgesamt acht Hallen vorteilt und fast überall in einer Ecke platziert. Die meisten Anbieter aus China jedoch fänden sich in den “Satellitenhallen” 1 und 1a. Letztere sei anfangs nicht einmal ausgeschildert gewesen; jetzt weise das Schild auf die größte Ausstellergruppe der Halle erst ganz unten hin. “Die Unternehmen sagen jetzt natürlich: Wir bezahlen genauso wie die Aussteller in den anderen Hallen. Also verlangen wir auch die gleichen Rechte!”

So hatten die Handelskammer und die chinesische Kölnmesse-Mannschaft bei unserem Besuch alle Hände voll zu tun, die wütenden Massen zu vertrösten und an die deutschen Veranstalter der Messe zu verweisen – von denen in diesen Augenblicken jedoch niemand erreichbar war.

Inzwischen haben die chinesischen Aussteller selbst die Initiative ergriffen: Überall auf der Messe verteilen freundlich lächelnde Damen Zettel mit Wegbeschreibung zur Halle 1a.

Ähnliche Beiträge:

Einen Kommentar schreiben